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Forum Berufsbildung 4.0
Forum Berufsbildung 4.0

Forum Berufsbildung 4.0 in Osnabrück am 7.11.2018

  • Rückblick: Eröffnung und Begrüßung

    Rückblick: Eröffnung und Begrüßung

    Die Digitalisierung der Wirtschaft und Arbeit stellt die berufliche Bildung vor neue Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund trafen sich am 07.11.18 an den Berufsbildenden Schulen des Landkreises Osnabrück Brinkstraße (BBS Brinkstraße) Vertreter aus Wirtschaft, Schule und Hochschule sowie vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), um in verschiedenen Vorträgen und Foren Konzepte und Umsetzungsbeispiele rund um das Thema „Berufsbildung 4.0“ zu diskutieren. Die Aula der BBS Brinkstraße war gut gefüllt: 180 Gäste waren anwesend. Die Veranstaltung wurde von der BBS Brinkstraße in Kooperation mit der Berufsbildenden Schulen der Stadt Osnabrück am Schölerberg (BBS Schölerberg) organisiert.
    Herr Henke (Schulleiter BBS Brinkstraße) und Herr Pabst (Schulleiter BBS Brinkstraße) begrüßten die Gäste. Herr Henke bedankte sich bei den Kollegen Andreas Böhne (Koordinator Elektrotechnik), Werner Westerholz (Koordinator Metalltechnik) und Günter Willmann (Koordinator Mechatronik und IT-Berufe) für das Engagement im Hinblick auf die Organisation der Veranstaltung. Der Wachstumsregion Hansalinie und dem Innovationscentrum Osnabrück dankte Herr Henke für die finanzielle Unterstützung. Beide Schulleiter betonten, dass eine starke Vernetzung und Kooperation der Partner in der beruflichen Bildung notwendig sei, um eine Berufsbildung 4.0 auszugestalten. Außerdem nehme die Bedeutung interdisziplinärer Kompetenzen zu: Techniker, IT-Fachkräfte und Kaufleute müssen in einer vernetzten Fabrik eng miteinander kooperieren und kommunizieren. Herr Trunt (Landkreis Osnabrück) brachte in seinem Grußwort zum Ausdruck, dass es ein zentrales Anliegen des Landkreises Osnabrück als Schulträger sei, die Schulen zukunftsfähig auszustatten.

  • Rückblick: Plenum

    Rückblick: Plenum

    Günter Willmann (Koordinator Mechatronik an den BBS Brinkstraße) moderierte das sich anschließende Plenum. Dr. Gert Zinke vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) präsentierte erste wesentliche Ergebnisse eines Berufescreenings von 12 ausgewählten Ausbildungsberufen. Sowohl auf der Systemebene als auch auf der Steuerungs- und Umsetzungsebene stelle die Digitalisierung eine Herausforderung für die Berufsbildung dar.
    Dipl.- Ing. Peter Kottmann (Maschinenfabrik Bernard Krone) stellte dar, wie die Digitalisierung in die Landtechnik Einzug hält und wie die Fa. Krone die Berufsausbildung deswegen anpasst: Vom ersten bis zum vierten Ausbildungsjahr stehen prozessbezogene Aufgabenstellungen und Projekte im Mittelpunkt der Ausbildung. Ein Mobile Learning System, 3D-Drucker, Smartphones, ein SAP-System für Ausbildungszwecke, CAD-Programme und E-Learning dienen als Werkzeuge in der Ausbildung. „Das Niveau der Ausbildung muss mit der beschleunigten Einführung neuer Technologien Schritt halten, d.h. stets zeitnah dem neusten Entwicklungsstand angepasst werden“, betonte Herr Kottmann.
    Prof. Dr. Lars Windelband (Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd) plädierte vor dem Hintergrund der zunehmenden Vernetzung dafür, die Prozesskompetenz in den Mittelpunkt der Berufsbildung zu stellen. Auch Grundlagen seien prozessbezogen in fach-und handlungssystematischen Zusammenhängen umzusetzen. Derzeit existierten unterschiedliche Ansätze zur Umsetzung einer prozessorientierten Didaktik: Die Simulation realer Prozesse in Lernfabriken habe im Vergleich zur einer Lernsituation, die aus einer realen Arbeitssituation entstehe, Vor- und Nachteile. Derzeit seien berufsübergreifende Aufgabenstellungen innerhalb eines Geschäfts-und Arbeitsprozesses zu Industrie 4.0 noch die Ausnahme. Das gelte auch für konkrete didaktische Konzepte zur Förderung des ganzheitlichen Denkens in Prozesszusammenhängen. Der Anteil der Grundlagenausbildung in der Metall-und Elektrotechnik sei an beiden Lernorten noch zu umfangreich, während häufig Konzepte zu einer veränderten Schwerpunktsetzung mit höherer Problemorientierung fehlten.

  • Rückblick: Parallele Foren

    Rückblick: Parallele Foren

    Im Anschluss wurden in parallelen Foren präsentiert und diskutiert. Im Forum „Umsetzung in der Berufsschule - Erfahrungen in Niedersachsen“ stellte das Projektteam der BBS Brinkstraße und der BBS am Schölerberg (Kerstin Peters, Annika Rövekamp, Andreas Böhne, Stefan Sayk, Christian Wichmann, Brit Feil und Claudia Hallmann) Ergebnisse vor, die am Projektstandort Osnabrück im Rahmen des Projekts „BBS fit für I4.0“ entstanden sind. Im Mittelpunkt des Vortrags standen die Erfahrungen, die im Rahmen von gemeinsamen Projekttagen zwischen Kaufleuten und Technikern sowie beim Einsatz des ERP-Systems „SAP“ in der Fachschule Maschinentechnik gewonnen wurden. Zudem wurde im Projekt ein kostengünstiger „Lernträger 4.0“ entwickelt. Fragen aus dem Publikum betrafen insbesondere den zeitlichen Aufwand für die Lehrkräfte. Herr Böhne forderte in diesem Zusammenhang, dass berufsbildenden Schulen nicht allein finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen, sondern auch mehr Fortbildungsressourcen sowie zeitliche Ressourcen für die einzelnen Lehrkräfte notwendig sind. Eine Fortbildungsoffensive vor dem Hintergrund der Digitalisierung der Arbeitswelt könne nicht allein von Projektschulen getragen werden. Im gleichen Forum erläuterten Herr Hoppe, Herr Lorenz und Herr Jongebloed (Studierende der Hochschule Osnabrück), wie sie im Rahmen ihres Lehramtsstudiums Lernszenarien mit Hilfe eines Lernträgers in konkrete handlungsorientierte und berufsbezogene Lernsituationen umgesetzt haben.
    In einem weiteren Forum zeigte Prof. Windelband die Erfahrungen bei der Umsetzung einer „Berufsbildung 4.0“ in den Berufsschulen in Baden-Württemberg auf. In Baden-Württemberg gibt es drei Initiativen zur Förderung der Digitalisierung in der beruflichen Bildung: die Einrichtung von 16 Lernfabriken, Tablet-Projekte an 71 beruflichen Schulen und sechs Modellvorhaben zur Förderung des digitalen Lernens und der Vernetzung von Berufsschulen, Betrieben und überbetrieblichen Bildungsstätten. Während die komplexen Lernfabriken an den verschiedenen Standorten unterschiedlich ausgestaltet seien, werde im Bereich der Automatisierungstechnik ein einheitlicher Lernträger „Bohren“ verwendet. In Baden-Württemberg seien umfangreiche Handreichungen für die Umsetzung von Industrie 4.0 im Unterricht entwickelt worden. Dabei sind sechs verschiedene Szenarien (z.B. flexible Fertigung, Vernetzung und Datensicherheit, Service und Instandhaltung) entstanden. Für alle Szenarien seien Anforderungsbereiche auf drei unterschiedlichen Niveaus benannt, diese werden dann als Mindeststandard verschiedenen Ausbildungsberufen und Schulformen zugeordnet. Im Hinblick auf die Lernfabriken stelle die Komplexität der Anlagen viele Lehrkräfte vor große Herausforderungen.
    Das Konzept der „Lernfabrik Lippe 4.0“ stellte Frau Fleck und Herr Hasse vom Lüttfeld-Berufskolleg in Lemgo, Nordrhein-Westfalen, vor. Herzstück der Investitionen ist eine „cyberphysikalische Fabrik“ (CPF), die sich aktuell im Aufbau befindet. Die CPF bestehe aus einer zentralen, modular aufgebauten Montagelinie, die um Handarbeitsplätze und Labore sowie um ein Plenum ergänzt werde. Projektpartner der Lernfabrik Lippe 4.0 im engeren Sinn sind die vier Berufskollegs des Kreises Lippe, der Eigenbetrieb Schulen des Kreises Lippe und die Lippe Bildung eG mit dem zdi-Zentrum LippeMINT.
    In weiteren Foren stand die Neuordnung bei den industriellen Metall- und Elektroberufen im Fokus: Herr Kaufmann (BIBB) legte die wesentlichen Änderungen bei den industriellen Metallberufen dar. Neben der integrativen Berufsbildposition: „Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“ sowie Anpassungen in weiteren Berufsbildpositionen standen insbesondere die Zusatzqualifikationen „Systemintegration“ und Prozessintegration“ im Mittelpunkt seines Vortrags. Herr Dr. Zinke konzentrierte sich auf die Änderungen bei den industriellen Elektroberufen und beim Beruf Mechatroniker. Dabei betonte er, dass die Zusatzqualifikationen ein Angebot für Ausbildungsbetriebe sind, in denen die Digitalisierung stark voranschreite, aber dass nicht jeder Ausbildungsbetrieb dieses Angebot sofort nutzen müsse. Her Rempel von der Nachwuchsstiftung Maschinenbau stellte dar, wie im Projekt „Nächste Station Facharbeiter“ ein Lernmanagementsystem für die Qualifizierung von Fachkräften genutzt wird. Herr Bode (BBS Brinkstraße) berichtete, wie das Thema „Additive Fertigungsverfahren“ derzeit im Unterricht der Berufsschule und des Technischen Gymnasiums umgesetzt wird. Herr Glindkamp (Teamleiter Mechatronik) und Herr Lüke (Teamleiter Industrielle Elektroberufe) stellten dar, welche Ansätze in ihren Bildungsgängen im Hinblick auf die Umsetzung der Neuordnung verfolgt werden. Im Mittelpunkt der Diskussion stand insbesondere der Aspekt, wie eine Balance zwischen dem „Bewährtem“ und dem „Innovativen“ gelingen kann. Im Hinblick auf die Zusatzqualifikationen wurde eine unterschiedliche Sichtweise deutlich: Einige betriebliche Vertreter warben dafür, möglichst umgehend Prüfungsausschüsse für die Zusatzqualifikationen zu bilden. Lehrkräfte der BBS Brinkstraße signalisierten, dass sie sich eine Beteiligung an den Prüfungsausschüssen vorstellen können. Andere Teilnehmer brachten zum Ausdruck, dass die Vermittlung von Grundlagenfertigkeiten und -kenntnissen nicht in den Hintergrund treten dürfe, dass ihnen als Lehrkraft bzw. Ausbilder die fachliche Qualifikation für einige der Zusatzqualifikationen fehle und dass viele Auszubildende gar kein Interesse an dem Erwerb einer Zusatzqualifikation hätten.
    Im Forum zur Neuordnung der IT-Berufe erläuterte Her Schwarz (BIBB) den aktuellen Stand des Neuordnungsverfahrens. Das Inkrafttreten der Neuordnung sei zum 01. August 2018 geplant. Der Arbeitsauftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft sehe vor, dass die Berufsbezeichnungen für die Ausbildungsberufe Fachinformatiker/-in, IT-Systemelektroniker/-in und IT-Systemkauffrau/-mann erhalten bleiben sollen. Zudem werde eine gestreckte Abschlussprüfung angestrebt. Beim Ausbildungsberuf „Fachinformatiker/-in“ werde geprüft, ob eine zusätzliche Fachrichtung oder Zusatzqualifikation „Produktionsnahe IT“ notwendig sei. Diese Frage wurde im Forum kontrovers diskutiert: Während einige betriebliche Vertreter aus Industriebetrieben in der Region vor dem Hintergrund der zunehmenden Vernetzung der Produktionsprozesse für die Notwendigkeit einer Fachrichtung „Produktionsinformatik“ plädierten, sahen andere Vertreter keinen Grund, die bestehenden Fachrichtungen „Anwendungsentwicklung“ und „Systemintegration“ um eine dritte Fachrichtung zu erweitern.
    Vor welchen Herausforderungen steht die berufliche Bildung in kaufmännischen Ausbildungsberufen? Wie verändert sich das Tätigkeitsfeld der Industriekaufleute? Diesen Fragen standen im Mittelpunkt des Forums „Wirtschaft 4.0“. Frau Jordanski vom BIBB präsentierte wesentliche Ergebnisse des Berufescreenings für den Ausbildungsberuf Industriekaufmann/die Industriekauffrau. Die Studie habe zwar große betriebliche Unterschiede gezeigt. Vielfach seien aber zunehmende Tätigkeits- und Kompetenzanforderungen in unterschiedlichen Bereichen erkennbar geworden (z.B. Fachkompetenzen im Hinblick auf IT-Knowhow und Umgang mit Daten, Fremdsprachenkenntnisse, Selbst- und Sozialkompetenzen). In der Diskussion, wie eine veränderte Ausbildung in Betrieb und Berufsschule umgesetzt werden kann, regte Frau Jordanski u.a. an, den Austausch zwischen den berufsbildenden Schulen und den Ausbildungsbetrieben zu intensivieren. Weitere Schwerpunkte der Diskussion waren die notwendige technische Ausstattung an den berufsbildenden Schulen sowie der Qualifizierungsbedarf der Lehrkräfte und der Ausbildungsverantwortlichen in den Betrieben.
    Abschließend trafen sich alle Teilnehmer zum Resümee in der Aula. Herr Willmann dankte dabei allen Referenten für die Unterstützung. In der Abschlussrunde wurde deutlich, dass die Vorträge und Diskussionen an diesem Tag sehr facettenreich waren und dass ein weitergehender Austausch unter den Partnern in der beruflichen Bildung für die zielgerichtete Umsetzung einer Berufsbildung 4.0 als sinnvoll erachtet wird. Im Anschluss hatten alle Gäste noch die Möglichkeit, im Rahmen des Abends der offenen Tür die Labore, Unterrichtsräume und Werkstätten an den BBS Brinkstraße zu besichtigen.

  • Presseartikel

  • Programm

    Programm

    Das Forum setzte sich insbesondere mit der Gestaltung einer „Berufsbildung 4.0“ in wichtigen industriellen Ausbildungsberufen auseinander:

    1. Welche didaktischen Ansätze und Umsetzungsbeispiele existieren an berufsbildenden Schulen und in den Ausbildungsbetrieben?
    2. Wie kann die Umsetzung der Neuordnung bei den industriellen Metall- und Elektroberufe gelingen? Wie können Ausbildungsbetriebe, berufsbildende Schulen und Industrie- und Handelskammern dabei erfolgreich kooperieren?
    3. Welche Veränderungen sind bei der Neuordnung der IT-Berufe im Jahr 2020 zu erwarten? Brauchen wir einen Fachinformatiker mit der Fachrichtung „Produktionsinformatik“?
    4. Wie verändern sich die Qualifikationsanforderungen bei den kaufmännischen Ausbildungsberufen, insbesondere bei dem Ausbildungsberuf „Industriekaufmann/-frau“?

    Im Rahmen der Veranstaltung präsentierten die BBS Brinkstraße und die BBS am Schölerberg außerdem die Ergebnisse, die im Rahmen des Projekts „BBS fit für I4.0“ erzielt wurden. Die Teilnehmer hatten die Gelegenheit, die Ausstattung und Räumlichkeiten an der BBS Brinkstraße zu besichtigen.

    Download: Programm

     

  • Kooperationspartner

    Kooperationspartner

  • Kontakt

    Kontakt

    Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück
    Brinkstraße 17
    49080 Osnabrück

    Telefon: 0541 98223-0
    Telefax: 0541 98223-999
     
    Ansprechpartner:
    Andreas Böhne (Koordinator Elektrotechnik, Tel.: 0541 98223-606, E-Mail: boehne(at)bbs-os-brinkstr.de)
    Werner Westerholz (Koordinator Metalltechnik)
    Günter Willmann (Koordinator Mechatronik)