Berufsbildende Schulen des Landkreises Osnabrück

Pressestimmen 2018

Große Unterstützung nach Operation

Eine Weile muss die Gymnasiastin Rouaa Roukeh noch mit Gehstützen laufen.

Hilfsbereitschaft am Technischen Gymnasium

Anfang Oktober 2017 musste Rouaa Koukeh an der Hüfte operiert werden. Danach saß die Schülerin sechs Wochen im Rollstuhl. Am Unterricht teilzunehmen schien kaum möglich. Doch die ganze Schule half ihr.

OSNABRÜCK. Seit einem Jahr ist die 20-jährige Rouaa Koukeh an der BBS Brinkstraße. Dort macht sie auf dem Technischen Gymnasium ihr Abitur. Nachdem sie in den Herbstferien an der Hüfte operiert wurde, saß sie sechs Wochen lang im Rollstuhl. Wer die Größe und Lage der BBS Brinkstraße kennt, der weiß: Mit Rollstuhl ist es nicht einfach, dort zurechtzukommen. Circa 4500 Schüler werden in 241 Klassen von 140 Lehrern unterrichtet. Und zudem gibt es Gebäude von A bis F, eine Mensa, zwei Sporthallen und einen Verwaltungstrakt.

Zehn Kurse belegt die Syrerin, die vor knapp dreieinhalb Jahren nach Deutschland kam. Viele davon befanden sich in Räumen, die mit Rollstuhl gar nicht zu erreichen sind. Das Haus, in dem die Schüler des technischen Gymnasiums unterrichtet werden, sei ein Altbau. In anderen BBS-Gebäuden gebe es Fahrstühle und Rampen, dort allerdings nicht, wie Peter Tietsch, Koordinatior des Technischen Gymnasiums, erzählt. Daher habe schnell festgestanden: Die Kurse werden verlegt. Sieben von zehn Kursen wurden in anderen Räumen unterrichtet, wenn möglich im Erdgeschoss. Für Rouaa Koukeh war das eine große Erleichterung. Denn etwas verpassen wollte sie auf keinen Fall. Als sie im Rollstuhl in die Schule zurückkam, ging alles ganz schnell. Nach nur zwei Tagen konnte sie ohne Probleme am Unterricht teilnehmen. Sie bekam auch einen Fahrstuhlschlüssel, damit sie in die oberen Stockwerke kam.

Für Koordinator Tietsch eine Selbstverständlichkeit: „Wenn ein Schüler die Treppen nicht benutzen kann und nicht mehr mobil ist, dann muss man eben umplanen, das ist zwar ein Aufwand, aber gehört zu meinem Job.“ Rouaa Koukeh und Peter Tietsch sind auch erfreut über das Engagement der Mitschüler. „Alle haben mir geholfen“, erzählt die 20-Jährige. „Meine Tasche wurde getragen, die Türen wurden mir aufgehalten, und ich wurde geschoben.“ Denn das Grundstück ist groß und der Weg dorthin hat eine starke Steigung. Auch auf die Agritechnica-Messe in Hannover konnte sie mitfahren, weil Schüler und Lehrer gemeinsam planten und sie unterstützten. „Eigentlich hätte es nicht funktioniert. Aber das war für mich sehr wichtig, weil ich einen Einblick in das Berufsfeld haben wollte.“ Auch der Schule ist wichtig, dass Rouaa Koukeh und ihre Mitschüler sich früh mit ihrer Zukunft nach dem Abitur auseinandersetzen. Und die Agritechnica sei ein Baustein von vielen, bei denen die Schüler Einblick in das Berufsfeld Landwirtschaft bekommen. Inzwischen findet der Unterricht wieder in den üblichen Räumen statt. Nur am Sportunterricht kann Rouaa Koukeh noch nicht wieder teilnehmen. Noch läuft sie auf Krücken und darf ihr Bein nicht stark belasten. Stattdessen hält sie Referate und stellt Spielregeln und Abläufe der Sportarten vor.

Ein Schüler nimmt sie morgens mit dem Auto mit zur Schule. Zuvor hat das ihr Vater gemacht, der aus beruflichen Gründen aber kürzlich nach Dortmund gezogen ist. Rouaa Koukeh sei eine gute bis sehr gute Schülerin, erzählt der Koordinator. Auch spricht sie gut Deutsch. Vor mehr als drei Jahren war sie mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet. Mit ihrer Schwester besuchte sie zuerst das Gymnasium „In der Wüste“. Dann wechselte sie an die Brinkstraße. In Zukunft möchte sie Mechanical Engineering oder Aircraft and Flight Engineering studieren. Sicher ist sie sich noch nicht. Tietsch ist aber optimistisch, dass sie ihre Ziele erreichen wird. 

Quelle: NOZ, 13.01.2018 - Anne Sophie Köstner - Foto: Michael Gründel

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